Padgett Powell – Roman in Fragen

Padgett Powell, 1952 in Florida geboren, legt nach seinem Debüt “Edisto”, das bereits mit der Erzählkunst eines Mark Twain oder Tennesse Williams verglichen wurde, jetzt ein Buch ganz ohne Handlung vor, ein Romanprojekt das von ersten bis zur letzten Seite nichts als Fragen zusammenträgt. Allesamt Fragen, die den Blick auf die Realität unserer Umgebungswelten unbedingt intensivieren.

 

Die auf 180 Seiten ausgebreiteten Fragen verstehen es, durch das absolut Unerwartete einen wahren Bombardierungszauber auf das Antworttüchtige unser stets kommunikationsbereiten Fließexistenz auszulösen.Daher in dem Buch eine Vorlage zu einem „wilden“ wissbegierigen Quiz-Show-Format zu wittern, würde eben gar nicht mehr funktionieren.

Viel besser, das Buch führt uns „frage-beredt“ vor, wie abstrus und eigentlich frageanfällig unser Leben immer schon ist. Sehr bald verbreitet das imposante Fragefeuerwerk in diesem Buch den Charme einer andauernden und brilliant schillernden Phänomenologie des Fragens.

In Powells Buch begegnet dem Leser neben dem Realitätsein der Realität als Leseerfahrung noch ein Zweites: das So-Sein „seiner“ Realität. Diese ist immer so, wie sie durch ihn, eben in seinen Augen, besteht. Auch wenn dies gewitzte Buch uns nicht über die philosophische Hintertreppe entlässt, ist es nicht ganz unphilosophisch. Die Fragen gehen über Moral, über Kriminalität, über Vernunft und sie beginnen gewonnene Positionen zu verrücken bzw. ins Schwimmen zu bringen.

Trickreich wird es, wenn das Buch den Leser in eine Art Fragegewahrsam nimmt und ihn in weitere Fortsetzungsfragen verwickelt. An jenen Stellen ist das Buch Powells einfach spannend, an einigen Stellen sogar anrührend. Nicht wenige Fragen dürften als erstmalig gestellte Fragen auf eine interessante Klärung drängen und werden den Fragenden auf neue Pfade führen.

Das Buch schafft es, uns elementar wieder mehr darauf einzustimmen, neben kecken Wissensfragen noch die anderen vielen kleinen wie großen Fragen zuzulassen.  Denn gerade sie ermöglichen den  Zugang zu einem inzwischen verschwundenen Kosmos an Bedeutungen und zielen damit direkt in das Herz unserer „Weltverfassung“. Der Leser kann wieder ermessen, wonach er nicht mehr fragte, worauf er keine Antworten mehr suchte und ihm dürfte manches Mal deutlich werden, was er dabei vernachlässigte, indem er sich überhaupt nur noch so wenig etwas fragte.

Mit diesem Buch stehen viel spannende Erfahrungen aus angesichts solcher Fragen wie die folgenden:

Sind Ihre Nerven anpassungsfähig? Wie stehen Sie zur Kartoffel? Legen Sie in irgendeiner Form ritualisiertes Verhalten an den Tag? Haben Sie einen Lieblingssaurier, und glauben Sie, dass die verbreiteten Vorstellungen von Saurieren irgendwie Ähnlichkeit damit haben, wie Sie wirklich aussahen?  Wenn Sie einen Augenblick Geschichte so umdrehen oder verbiegen könnten, dass man das Ergebnis als das Gegenteil oder doch zumindest von dem, was tatsächlich passierte, stark abweichend betrachten könnten, welche wäre das? Werden Sie in Zukunft glücklicher sein? Glauben Sie, dass ein Tier, das seine Toten zu betrauern scheint wie der Elefant sich seinen eigenen Tod vorstellen kann?

;“>Auch der DLF hat den „Roman in Fragen“ besprochen, zum Nachhören: DLF, „Wie stehen Sie zur Kartoffel?“, Padgett Powell, Roman in Fragen

Oder lauschen Sie dem Originalton des Autoren während einer Lesung hier:

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