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Archiv für den Monat Februar 2012

In der Sendung ANNE WILL vom 15.02.2012, die den Titel „Griechenland brennt, Deutschland zahlt – EURO Rettung um jeden Preis“ trug, hatten wir es wieder, wenige Minuten vor dem Ende der Sendung sah der Zuschauer in einem Einspieler eine weinende Mutter, die ihre Tochter aus wirtschaftlicher Not in ein SOS-Kinderdorf gegeben hat und sie nur noch selten in die Arme schließen kann. Es war eine sichtlich aufwühlende Nachricht, die gute Ansteckungsbedingungen für eine sich hieran anschließende ernsthafte Diskussion mitbrachte. Doch dafür nahm man sich gar keine Zeit. Man begnügte sich damit, die Runde der Diskutanden filmreif in Großperspektive zu zeigen. Es sollte wohl genügen wie man sah, dass Einigen sichtlich der Klos im Halse stecken blieb. Ein Anderer, der zuvor mit aller Wucht das Schwungrad der Kritik eines poltischen Sachverwalters gegen Griechenland klappern ließ, schaute mitleidig. Aber das war es denn auch! – und die Sendung? sie war vorüber!

Muss die Meinungsdemokratie jetzt schon unter der bloßen Hoffnung funktionieren, dass wir noch Empathie und Interesse für Themen aus der Mitte der Gesellschaft zeigen könnten, ohne sie unter Beweis zu stellen? In Zeiten, in denen Gesellschaften sich immer mehr spalten, Gesellschaftsgruppen auseinander driften, nimmt der Enthusiasmus für das menschliche Schicksal, für die Verbesserung der Welt, in der wir leben, eher ab, so weiß es der US-Soziologe Richard Sennett, der derzeit an der London School of Economics lehrt. Der Grund dafür ist, dass Menschen z. T. aus Verunsicherung eher unter sich bleiben, da sie mit der Verschiedenartigkeit der Gesellschaft nicht mehr zurechtkommen.

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